Ein Notgroschen ist Geld, das Sie für Unvorhergesehenes zurücklegen, etwa für eine Reparatur, eine Arztrechnung oder einen Einkommensausfall, und zwar so, dass Sie schnell darauf zugreifen können, ohne sich Geld leihen zu müssen. Viele Ratgeber nennen als Richtwert zwei bis sechs Netto-Monatsgehälter oder drei bis sechs Monate an notwendigen Ausgaben; die passende Höhe hängt davon ab, wie sicher Ihr Einkommen ist und wie viele Menschen davon leben. Er gehört an einen sicheren, leicht erreichbaren Ort, nicht in Anlagen, deren Wert gerade dann sinken kann, wenn Sie das Geld brauchen.
Kurz gesagt
- Der Notgroschen ist eine Geldreserve für unerwartete Ausgaben oder einen Einkommensausfall, getrennt vom Geld für den Alltag.
- Ein häufiger Richtwert sind zwei bis sechs Netto-Monatsgehälter, und ein kleineres erstes Ziel, etwa ein Monat, ist ein guter Anfang.
- Er sollte sicher und schnell verfügbar sein, deshalb liegt er meist auf einem Bankkonto und nicht in Anlagen, deren Preis schwankt.
- Ihn in Schritten mit einem Dauerauftrag aufzubauen ist oft leichter, als zu warten, bis eine große Summe übrig ist.
- Er ist keine Geldanlage: Er soll Sie absichern, nicht wachsen, und Geld, das Sie bald brauchen könnten, gehört nicht ins Börsenrisiko.

In diesem Artikel · 8 Min. Lesezeit
- Notgroschen: die Definition in wenigen Sätzen
- Warum ein Notgroschen wichtig ist
- Notgroschen: wie hoch sollte er sein?
- Wo der Notgroschen liegen sollte
- Den Notgroschen aufbauen, Schritt für Schritt
- Wann Sie ihn nutzen, und wann nicht
- Notgroschen oder Geldanlage: was zuerst?
- Wo das hinpasst
- Checkliste
- Häufige Fragen
- Quellen
Notgroschen: die Definition in wenigen Sätzen
Wikipedia zitiert die Definition des Duden: ein Notgroschen ist Geld, das man spart und zurücklegt, um in Notfällen oder unvorhergesehenen Situationen darauf zurückgreifen zu können. Der Begriff geht auf die frühere Groschen-Münze zurück. In der Sparforschung wird das Motiv dahinter als Vorsicht beschrieben, wie der Wikipedia-Artikel zum Sparen erklärt: eine Rücklage für unvorhergesehene Ausgaben.
Das entscheidende Wort ist unvorhergesehen. Miete, Lebensmittel und der Urlaub, den Sie vor Monaten gebucht haben, gehören in Ihr normales Budget. Die Reserve ist für das, was Sie nicht kommen sahen.
Warum ein Notgroschen wichtig ist
Ohne Reserve kann schon ein kleiner Schock zu einem Kredit oder einer Kreditkartenschuld führen, und Schulden sind in der Regel schwerer abzubauen als die ursprüngliche Rechnung. Eine Reserve schützt auch Ihre anderen Ziele: Sie müssen keine langfristige Geldanlage zu einem schlechten Zeitpunkt verkaufen, nur weil die Waschmaschine kaputt ist.
Wie verbreitet ist so ein Polster? Laut der internationalen OECD/INFE-Erhebung zur Finanzkompetenz Erwachsener von 2023, veröffentlicht im Dezember 2023, könnten im Durchschnitt der teilnehmenden Länder und Volkswirtschaften nur 43 % der Erwachsenen ihre Lebenshaltungskosten mindestens drei Monate lang decken, wenn sie ihre wichtigste Einkommensquelle verlieren, ohne sich Geld zu leihen oder umzuziehen. Und 54 % sagen, sie könnten eine größere Ausgabe in Höhe eines Monatseinkommens zahlen, ohne zu leihen oder Familie und Freunde um Hilfe zu bitten (siehe die OECD-Studie). Viele Menschen haben also ein dünneres Polster, als sie sich wünschen.
Notgroschen: wie hoch sollte er sein?
Eine offizielle Zahl gibt es nicht. Der Ratgeber einer Verbraucherschutzbehörde, das Consumer Financial Protection Bureau, sagt, die richtige Summe hänge von Ihrer Situation ab, und empfiehlt, auf die unerwarteten Kosten der Vergangenheit zu schauen. Ein ING-Ratgeber nennt für Singles zwei bis drei Netto-Monatsgehälter, wobei er eine Verbraucherzentrale zitiert, und für Familien wegen der höheren Personenzahl etwa sechs. Außerdem komme es auf das Wohnen an: Wer ein Haus besitzt, müsse mit höheren Reparaturkosten rechnen als jemand zur Miete. Andere Ratgeber rechnen lieber in Monatsausgaben, meist drei bis sechs. Die Angaben weichen also leicht ab, was zeigt, dass es um Richtwerte geht.

| Situation | Ein vorsichtiges Ziel | Warum |
|---|---|---|
| Sicheres Einkommen, keine Angehörigen | Etwa 3 Monate notwendige Ausgaben | Eine neue Stelle zu finden dauert oft etwas |
| Familie oder nur ein Einkommen | Etwa 6 Monate oder mehr | Mehr Menschen hängen vom selben Geld ab |
| Schwankendes oder selbstständiges Einkommen | 6 Monate oder mehr | Einnahmen können wochenlang ausbleiben |
| Sie fangen gerade an | 1 Monat, dann steigern | Eine kleine Reserve deckt schon viele Überraschungen |
Das sind Richtwerte, keine Regeln. Bei niedrigen Fixkosten und sicherem Job kann eine kleinere Reserve genügen; wer ein Haus oder ein Fahrzeug besitzt, kann mit teuren Reparaturen rechnen und fährt mit einer größeren besser. Die ehrliche Antwort: Wählen Sie ein erstes Ziel, das Sie in wenigen Monaten erreichen, und erhöhen Sie es dann.
Um Ihre Zahl zu finden, addieren Sie die notwendigen Ausgaben eines Monats und multiplizieren Sie mit der gewünschten Zahl an Monaten. Wenn Sie schon mit einer Aufteilung wie in unserem Artikel zur 50-30-20-Regel planen, ist der Block „Bedürfnisse“ Ihre Monatszahl.
Wo der Notgroschen liegen sollte
Gesucht ist ein Ort, der sicher und erreichbar ist und bei dem man nicht aus Versehen für Nicht-Notfälle zugreift. Der CFPB-Ratgeber nennt ein Konto bei einer Bank oder Kreditgenossenschaft als im Allgemeinen einen der sichersten Orte und empfiehlt ein eigenes Konto, um das Geld getrennt zu halten. Er erwähnt auch Prepaid-Karten und Bargeld zu Hause, und warnt, dass Bargeld gestohlen, verloren oder zerstört werden kann.
Im Kern suchen Sie:
- Leichten Zugriff. Sie sollten das Geld binnen ein bis zwei Tagen und ohne Abschlag erreichen.
- Stabilen Wert. Der Kontostand sollte nicht fallen, wenn die Märkte fallen.
- Trennung. Ein eigenes Konto oder ein klarer Name verhindert versehentliches Ausgeben.
- Schutz. Informieren Sie sich, wie Einlagen dort gesichert sind, wo Ihr Konto geführt wird, denn die Systeme unterscheiden sich.
Was hier nicht hingehört: alles, dessen Preis stark schwanken kann, also Aktien, Fonds und Kryptowährungen. Eine Reserve, die in Werten steckt, die in einem schlechten Monat ein Drittel verlieren können, ist womöglich genau dann am kleinsten, wenn Sie sie brauchen. Der öffentliche Anlegerleitfaden zum Festlegen der eigenen Ziele nennt dasselbe Prinzip: Legen Sie fest, wie viele Jahre Sie für jedes Ziel haben, denn der Zeitraum bestimmt, welche Option passt. Ein Notfall kann morgen eintreten, der Zeithorizont einer Reserve ist also „jetzt“.
Den Notgroschen aufbauen, Schritt für Schritt
- Wählen Sie ein erstes Ziel. Ein Monat notwendiger Ausgaben reicht für den Anfang. Notieren Sie den Betrag.
- Eröffnen Sie ein eigenes Konto. Geben Sie ihm einen Namen wie „Reserve“, damit es sich nicht mit dem Alltagsgeld mischt.
- Automatisieren Sie die Überweisung. Richten Sie einen Dauerauftrag für den Tag ein, an dem Ihr Einkommen eintrifft, auch wenn er klein ist. Der CFPB-Ratgeber nennt automatisches Sparen einen der einfachsten Wege, das Sparen regelmäßig zu machen.
- Nutzen Sie Sondereinnahmen. Eine Prämie, ein Geschenk oder eine Erstattung bringen die Reserve auf einen Schlag voran.
- Kürzen Sie ein wenig. Prüfen Sie einmal Abos und Rechnungen und leiten Sie die Differenz in die Reserve.
- Erhöhen Sie das Ziel. Ist das erste Ziel erreicht, peilen Sie zwei Monate an, dann drei und so weiter.
- Füllen Sie nach der Nutzung wieder auf. Wenn Sie die Reserve brauchen, bauen Sie sie wieder auf, bevor Sie andere Ziele fortsetzen.
Wann Sie ihn nutzen, und wann nicht
Legen Sie vorher fest, was als Notfall gilt. Eine plötzliche Reparatur, eine unerwartete Arztrechnung oder eine Einkommenslücke zählen. Ein Sonderangebot, ein neues Handy und ein Wochenendtrip nicht, auch wenn sie dringend wirken. Halten Sie sich möglichst an Ihre eigene Regel: Eine Reserve, die still für kleine Wünsche aufgebraucht wird, ist im echten Notfall nicht da. Wenn Sie sie nutzen, ist das genau ihr Zweck: kein schlechtes Gewissen, nur ein Plan, sie wieder aufzufüllen.
Notgroschen oder Geldanlage: was zuerst?
Für die meisten kommt die Reserve zuerst, denn Geldanlage ist mit Risiko verbunden. Kurse können fallen, manchmal jahrelang, und frühere Ergebnisse sind keine Garantie für künftige. Eine häufige Reihenfolge: eine kleine Reserve, dann teure Schulden, dann eine größere Reserve, dann langfristiges Anlegen für Ziele in ferner Zukunft. Ihre eigene Reihenfolge kann abweichen.
Steht die Reserve, kann ein regelmäßiger Plan wie der Cost-Average-Effekt später ein ruhiger Weg zum Anlegen sein. John Bax behandelt in seinem Buch Fauler Investor, cleverer Investor den Notgroschen als Teil der Grundlagen, zusammen mit Zinseszins und Inflation, bevor es um Portfolios geht.

Wo das hinpasst
Der Notgroschen ist die Grundlage der persönlichen Finanzen, und er erlaubt es auch, riskantere Entscheidungen gelassen zu treffen, weil ein Verlust nicht Ihre Miete bedroht. Krypto ist ein sehr schwankungsreicher Markt; unser Ratgeber zum sicheren Krypto kaufen zeigt, wie Sie vorsichtig vorgehen, nur mit Geld, dessen Verlust Sie verkraften. Wer aktives Trading automatisieren möchte, kann unseren Artikel zum Trading-Bot für Krypto lesen und Crypto Go Bot kennenlernen, der auf Ihrem eigenen Server läuft und Ihr eigenes Kraken-Konto handelt, während Ihr Geld auf Ihrem Konto bleibt. Wie jedes Trading-System kann er Geld verlieren und verspricht keine Ergebnisse; viele halten ihn deshalb klar getrennt von ihrer Reserve.
Checkliste
- Ich kenne meine notwendigen Ausgaben pro Monat.
- Ich habe ein erstes und ein endgültiges Ziel in Monaten gewählt.
- Meine Reserve liegt auf einem eigenen, leicht erreichbaren Konto.
- Ein Dauerauftrag geht automatisch ab, sobald ich bezahlt werde.
- Ich habe aufgeschrieben, was als Notfall gilt.
- Ich fülle die Reserve nach der Nutzung wieder auf.
Häufige Fragen
Was ist ein Notgroschen in einfachen Worten?
Es ist Geld, das Sie für Überraschungen zurücklegen, etwa eine Reparatur, eine Arztrechnung oder weniger Einkommen. Es soll sicher und schnell verfügbar sein, damit Sie sich nichts leihen oder Anlagen verkaufen müssen, wenn etwas schiefgeht.
Wie viele Monate sollte ein Notgroschen abdecken?
Viele Ratgeber nennen zwei bis sechs Netto-Monatsgehälter oder drei bis sechs Monate notwendiger Ausgaben. Bei sicherem Einkommen und wenigen Verpflichtungen kann weniger genügen, für Selbstständige, Familien oder unsichere Einkommen eher mehr.
Erst Notgroschen aufbauen oder Schulden tilgen?
Viele beginnen mit einer kleinen Reserve, etwa einem Monat, damit eine Überraschung keine neue Schuld erzeugt, und widmen sich dann den teuren Schulden. Die Reihenfolge hängt von Zinsen und Risiko ab, es lohnt sich also, sie zu durchdenken.
Kann ich meinen Notgroschen in Krypto oder Aktien halten?
Meist ist das keine gute Idee, denn die Preise können gerade dann stark fallen, wenn Sie das Geld brauchen. Eine Reserve dient der Stabilität; Werte mit starken Schwankungen halten Sie besser getrennt davon, in einer Höhe, deren Verlust Sie verkraften.
Verliert ein Notgroschen mit der Zeit an Wert?
Geld kann an Wert verlieren, wenn die Preise schneller steigen als die Zinsen, die es einbringt, ein Grund, von Zeit zu Zeit zu prüfen, wo es liegt. Dieses Risiko ist kleiner, als zum Leihen gezwungen zu sein, und der Zweck der Reserve ist Sicherheit, nicht Wachstum.
Wo fange ich an, wenn ich sehr wenig sparen kann?
Beginnen Sie mit einem kleinen, regelmäßigen Dauerauftrag und erhöhen Sie ihn, wenn es geht. Der CFPB-Ratgeber hält fest, dass schon ein kleiner Betrag etwas finanzielle Sicherheit geben kann.
Quellen
- Wikipedia, Notgroschen, Definition und Herkunft des Begriffs
- Wikipedia, Sparen, Sparmotive, darunter die Rücklage für Unvorhergesehenes
- ING, Notgroschen: 3 Tipps, um ein Finanzpolster aufzubauen
- OECD, OECD/INFE 2023 International Survey of Adult Financial Literacy, Dezember 2023
- Consumer Financial Protection Bureau, An essential guide to building an emergency fund
- SEC (Investor.gov), Define Your Goals



